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Wintersafari - Auf der Jagd nach Ostseeleoparden

Opa — Mo, 12/13/2010 - 16:43

 Winterzeit..

Die Tage werden kürzer, die Seen und Flüsse frieren langsam zu und wir nähern uns der Hecht- und Zanderschonzeit. Für viele Raubfischfreaks ist die Saison bereits zu Ende, denn viele Gewässer sind ohne Boot oder sogar Eisbohrer nicht mehr zu beangeln. Wer nun aber die Ruten in den Keller verbannt und voreillig dem Frühjahr entgegenfiebert, verpasst womöglich etwas! Zumindest für diejenigen Glücklichen, die in Norddeutschland nahe der Ostsee leben ist jetzt der optimale Zeitpunkt gekommen, um vom Ufer aus Jagd auf einen der größten Räuber der Ostsee zu machen. Denn nun kommen zwei Grundvoraussetzungen der Angelfischerei zusammen: Die Fische sind in Reichweite und sie fressen!

schöner Dorsch auf Fin-S

Während die Buchten der deutschen Ostseeküste ganzjährig als wichtige Kinderstube des westlichen Ostseedorschbestandes dienen, kommen nun auch größere Exemplare in Landnähe. Jedes Jahr wenn die kalte Jahreszeit einbricht, ziehen einige der Ostseedorsche auf Nahrungssuche in Ufernähe und schwimmen damit geradewegs in die (Wurf-) Reichweite der Küstenangler. Wer die Kälte nicht scheut, hat jetzt gute Chancen auch ohne teure Bootstour schöne Fänge zu landen!

Wo ihr die Fische suchen solltet, wie ihr Sie auf den Haken bekommt und was ihr dafür braucht haben wir versucht für euch zu klären..

Wann genau es soweit ist, kann von Jahr zu Jahr variieren. Da aber die Tageslänge eine wichtige Rolle im Jahresrhytmus der Dorsche spielt, lohnen sich erste Ausflüge bereits ab dem Spätsommer / Herbst. Der Sauerstoffgehalt in den Flachwasserzonen nimmt dank fallender Wassertemperaturen und zunehmenden Windgeschwindigkeiten zu und vom Ufer sind wieder gute Fänge möglich. Die gesamten Förden der deutschen Ostseestädte ( Flensburg, Kiel, Eckernförde etc.) sind nun gute Reviere um den Dorschen mit der leichten Spinnrute nachzustellen.

Die Kieler Bahnhofsbrücke ist ein absoluter Hot-Spot und bietet den Dorschen und dessen Nahrung durch seine Poller und Träger reichlich Deckung und gute Jagdbedingungen.Besonders die Abendstunden vor und nach dem Sonnenuntergang haben sich als gute Fangzeit bewährt.

Wie so oft spielt auch bei der Dorschangelei die Struktur im Wasser eine große Rolle. Da sich die maßigen Dorsche eher in der Nähe etwas tieferer Bereiche aufhalten, sind gerade die Fähranleger, Molen und Spundwände gute Reviere. 

Nichtsdestotrotz können gute Fänge sogar in den flacheren Yachthafen gelingen, welche man überall entlang der Förde findet.

Der alte Germaniahafen bietet nicht nur durch seine alten Segelschiffe etwas fürs Auge, sondern hält für Spinnfischer so manch guten Dorsch bereitAuf dem Parkplatz von Sartori&Berger, gegenüber der HDW stehen sonst die Heringsangler dicht an dicht. Im Herbst und Winter ziehen hier hungrige Dorschtrupps die Spundwände entlang.

Wie weit selbst größere Fische in Ufernähe vordringen, zeigt sich uns in der Kieler Hörn (quasi das "Endstück" der Kieler Förde). Obwohl die Bestände des Ostseedorsches in den letzten Jahren sehr gelitten haben, zeigen sich nun dank günstiger biologischer Bedingungen sowie besseren Managements (Fangbegrenzungen & stärkerer Kontrollen) wieder einige starke Jahrgänge. Sowohl  die Größe als auch die Anzahl der Fische in der Kieler Förde können sich wieder sehen lassen wenn man alles richtig macht. Dorsche von 60-70cm sind hier keine Seltenheit und ab und an ist sogar mehr drin. Für die Angler die einen Teil ihres Fanges auch gerne mitnehmen und für die Küche verwerten wollen sei hiermit darauf hingewiesen: Dorsche haben in der Ostsee anders als in der Nordsee (35cm) ein Mindestmaß von 38 cm. Ich möchte diesen Anglern allerdings ein persönliches Mindestmaß von über 45 cm ans Herz legen, da ein 38 cm langer Dorsch wirklich nicht viel Fleisch auf den Rippen hat und womöglich nie die Möglichkeit hatte sich fortzupflanzen. Überhaupt sollten Dorsche in der Innenförde nur im begrenzten Maße verzehrt werden da ihr Fleisch unter Umständen stärker belastet sein kann als das von Dorschen aus der offenen See.

Schöner 65er Dorsch der den kleinen Gummifisch auf Sicht in der Dämmerung nahm

Wenn man an das Dorschangeln denkt, haben einige wahrscheinlich besenstielartige Pilkruten und grosse, schwere Pilker im Sinn. Da wir allerdings vom Ufer unterwegs waren und mit kapitalen Dorschen eher nicht zu rechnen war, sind wir mit leichtem bis mittlerem Gerät ans Wasser gegangen und konnten so wirklich gute Fänge machen. Als Köder haben sich solche bewährt, die auch beim Barsch- und Zanderangeln zum Einsatz kommen. Da Dorsche vorrangig demersal (bodennah) leben und jagen, fällt die Wahl des Köders entsprechend auf Gummifische oder Dropshotmontagen mit Bleigewichten zwischen 20 und 35 g. Köderfarbe ist wie immer eine Glaubenssache - wobei ich denke, dass man mit einer kleinen Auswahl heller ( weiß/silber) und dunkler (motoroil / braun) Farben gut beraten ist. Da Dorsche mit Vorliebe auch Strandkrabben fressen sind auch Krebsimitate immer einen Versuch wert.

Hier eine Auswahl von Ködern wie wir sie an der Förde gefischt haben:

Shads und Dropshotköder verschiedener Farben und von etwa 7-14 cm Länge entsprechen voll dem Beuteschema in der Förderegion und bringen je nach Bedingung gute Ergebnisse
Der Angelmethode angemessen, solltet ihr eine leichte bis Mittelschwere Spinnrute mit Spitzenaktion und für den guten Kontakt zum Köder geflochtene Schnur im Gepäck haben. Die Gummifische werden dann, ähnlich der Zanderangelei, mit Pausen über den Grund gezupft. Die Wahl der Rutenlänge ist den persönlichen Vorlieben vorbehalten, da ihr hier kaum mit Steinpackungen etc. rechnen müsst. Um die Fische aber nicht an der Schnur mehrere Meter hochheben zu müssen, solltet ihr einen Spundwandkescher dabeihaben um den Fang schonend landen zu können. Auf ein Vorfach kann verzichtet werden, die Dorsche sind nicht schnurscheu.

Übrigens hat selbst die Ostsee in den Förden für Spinnfischer auch Überraschungen und Abwechslung parat:

Neben Dorschen ist auch der Fang von Wittlingen, Plattfischen (wie Flunder und Scholle) und sogar Meerforellen als Beifang keine Seltenheit. Selbst Steinbutts und große Köhler haben sich schon in die Kieler Förde und damit an die Rute von Anglern veirrt.

(www.kn-online.de/lokales/kiel/198028-Harter-Kampf-belohnt-mit-Mega-Fischstaebchen.html)

31 cm Flunder auf Gummi

Für uns ist diese Angelei jedenfalls eine grosser Spaß und eine gern gesehene Abwechslung zum Hecht- und Zanderfischen. Denn auch wenn man nur 1-2 Stunden Zeit hat : So ein halbstarker Dorschi macht an der kleinen Spinnrute schon ordentlich Spaß!

Allen Nachahmern wünsche ich tight lines, viel Spaß an der Förde und einen gelungenen Saisonabschluss!

Marko

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