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Snakes on a boat
Poleman — Do, 10/21/2010 - 01:11
Sonntag morgen 06:00 Uhr, der Wecker klingelt. Nach schneller Katzenwäsche stürze ich aus der Wohnung. Kaum unten angekommen biegt Opa auch schon um die Ecke. Ich springe ins Auto und wir fahren endlich unserer lang ersehnten zweitägigen Angeltour entgegen. Zwei Tage Hechtangeln! Doch was schließlich daraus wurde hätten wir uns besser nicht erträumen können... Es ist mittlerweile 08:00 Uhr, alles ist an Bord und es kann los gehen. Kaum auf dem Wasser sind die Ruten mit 4-5m tief laufenden Wobblern bestückt. Das Echolot zeigt ausreichende Tiefe an und wir lassen unsere Wobbler ins Wasser. Wir haben es auf Hechte abgesehen und so suchen wir die nächste tiefe Kante, an der wir zuvor schon gute Erfahrungen gemacht haben. Auch dieses mal sollte der erste Fisch nicht lange auf sich warten lassen. Nachdem wir einige Meter an der Struktur entlanggeschleppt haben gibt es einen Schlag in meiner Rute. Anhieb! Sitzt! Der Fisch bleibt zunächst unten, oft ein Indiz dafür, dass es ein besserer Hecht ist. Nach kurzer Zeit habe ich den Fisch an die Oberfläche gedrillt und die Vermutung bestätigt sich. Ein schönes Tier um die 90cm. Kurz bevor ich den Fisch am Boot habe Ernüchterung: der Hecht startet eine Flucht und schlitzt aus. 
Ärgerlich! Aber abhaken und weiter. Der nächste Fisch lässt nicht lange auf sich warten. Ich habe Glülck an diesem Morgen, wieder ist es meine Rute die sich krümmt und nach kurzem Drill gelingt es schließlich den Fisch zu landen. Kleiner zwar als der erste, aber mit immerhin 84cm braucht sich dieses schöne Tier nicht zu verstecken.

Die erste Etappe ist geschafft, mittlerweile ist Mittagszeit. Nach kurzer Beratschlagung machen wir uns schließlich auf den Weg einige vielversprechende Stellen abzudriften. Ein paar Hechte später herrscht dann leider Beißflaute und ich lasse mich - durch den einen oder anderen Barschnachläufer motiviert - dazu hinreißen einen Spinner zu montieren; Opa greift zum kleinen Wobbler. Keine drei Würfe später zappelt es an der Rute. Barsch? Denkste! Ein kleiner Hecht hat sich meinen Spinner geschnappt. Man könnte fast meinen, jetzt da wir den Barschen nachstellen fühlen sich die Hechte vernachlässigt... Das können die Barsche nicht auf sich sitzen lassen und es dauert nicht lange bis auch ein kleiner Stachelritter ins Boot kommt, der Opas Wobbler nicht widerstehen konnte. Ein Blick auf die Uhr und wir beschließen schweren Herzens uns auf den Rückweg zu machen. Heute schon am Nachmittag, man (bzw. Frau) erwartet uns und wir wollen einer schmerzhaften Begegnung mit dem Nudelholz aus dem Weg gehen.

Es versteht sich von selbst, dass auf dem Rückweg geschleppt wird. Und wieder haben wir den richtigen Riecher. Opa greift seine Rute: „Jo!“, wieder ein Guter. Der Fisch zeigt uns zum ersten mal die Flanke, ein Sekundenbruchteil in dem uns zeitgleich dieselbe Frage durch den Kopf schießt. Meter? Nach sauberem Drill kann Opa den Fisch per Handlandung ins Boot befördern um uns die Frage zu beantworten. Ein wunderschöner Fisch! Flossen heil, klasse Färbung, kein Schuppe fehlt... Aber ein Manko hat er dann doch: Knapp daneben ist auch vorbei! Wir legen das Maßband an und starren ungläubig auf die Skala. Wie oft wir es auch probieren, der Fisch ist und bleibt 99cm lang.

Kurz darauf verschwindet die Dame gehobenen Alters wieder im kühlen Naß. Trotz der knapp verpassten Metermarke freuen wir uns über den schönen Fang und machen uns wieder auf den Weg. Das sollte es für Tag eins dann auch gewesen sein.
Die Monstermutti? Kommt noch...
Montag morgen, 06:00 Uhr, der Wecker klingelt: Tag 2 kann beginnen.
Nach dem guten Ergebnis von gestern machen wir uns frohen Mutes auf den Weg. Doch schnell wird klar: Heute ist einer dieser Tage an denen jeder Fisch hart erarbeitet werden muss. Es ist mittlerweile 11:00 Uhr und noch kein einziger Anfasser! Die Motivation droht nachzulassen und schließlich zwingt uns ein aufziehendes Gewitter zur Pause. Eilig wird der nächste Bootssteg angesteuert und wir suchen uns einen Unterstand. (Wie sich herausstellen sollte ein privater Steg...)
„Wo kann man euch denn zuordnen?“ Der Besitzer des Steges, ein junger ansässiger Bauer stand vor uns und dachte zunächst, dass wir dort campieren würden. Wir erklären uns kurz und werden freundlich aufgenommen: „Nee nee, bleibt ruhig so lange ihr wollt.“

Danke! Es gibt Sie also doch, die freundlichen Norddeutschen! Wir nutzen die Pause uns zu regenerieren und schließlich geht der Angeltag weiter. Vielleicht hat der Regen ja etwas verändert...
Wo wir schon mal da sind beschließen wir kurzerhand ein paar Würfe zu riskieren. Ich montiere meinen neuen Bulli und fange ein paar hübsche Krauthalme, die ich zurücksetze in der Hoffnung sie im nächsten Jahr noch größer wiederzufangen.
Und dann – man glaubt es kaum – Tok!
Verdammt! Nicht gehakt. Die Riefen am Kopf des Gummiköders bestätigen den ersten Hechtbiss des Tages. Mehr sollte uns dieser Spot jedoch nicht bescherern. Wir setzten abermals um und es kommt ein Wobbler zum Einsatz von dem ich noch scherzhaft sage „der fängt hier immer“. Was soll man sagen? Er fängt da immer. Wir haben die Hechte gefunden. Allerdings den Kindergarten, und von den Eltern weit und breit kein Anzeichen. Kurze Zeit später drillt Marko den zweiten Hecht des Tages. Wieder ein kleiner. Es wird Zeit die weitere Strategie bei einem Bierchen am Steg zu überdenken. Und da war Sie! Die Schlange! Auf dem Boot! Eine große Ringelnatter, gut über einen Meter lang hatte sie es sich im Fahrerstand des örtlichen DLRG Bootes gemütlich gemacht.

Wer den Blockbuster „Snakes on a Plane“ mit Samuel L Jackson gesehen hat, der weiß was da alles passieren kann...
Zwar kein Hecht aber immerhin - das erste Highlight des Tages.
Wir machen uns wieder auf und probieren unser Glück zunächst in einer uns bekannten Barschbucht. Derselbe Spinner, der gestern noch den kleinen Hecht brachte, bescherte mir jetzt ein offenbar größenwahnsinniges Rotauge, das den Spinner tatsächlich voll genommen hat. Der Spinner muss wohl kaputt sein, soll er doch eigentlich Barsche fangen...

Es ist Mittlerweile Nachmittag und wir suchen einen Barschberg im Freiwasser. Hecht ist ja heut scheinbar nicht, die Mäuler scheinen wie vernagelt. Trotzdem schleppen wir auf dem Weg und ich lasse mehr aus Trotz meinen „immer fangenden“ dran, dem ich eigentlich so recht nicht vertraue. Die wahrscheinlich beste Entscheidung meines bisherigen Anglerdaseins! Auf halber Strecke steigt dann tatsächlich ein Fisch ein. Sofort startet er seine erste Flucht und nimmt Schnur von der Rolle. Über weite Strecken lässt sich der Fisch nun aber überraschend leicht einkurbeln. Kein Grund also in Begeisterunsstürme auszubrechen. Als der Fisch jedoch näher ans Boot kommt und uns zum ersten mal die Flanke zeigt werden unsere Knie sichtlich weicher. Hatte ich vorhin noch gesagt der 84er braucht sich nicht zu verstecken? Doch! Vor dem da!
Ein großer Hecht, der die Metermarke definitiv übersteigt. Immer wieder versuche ich den Fisch längsseits ans Boot zu befördern, doch er stellt sich bei dem beträchtlichen Wind scheinbar seelenruhig quer und lässt sich einfach nicht bewegen. Gelingt es mir doch ihn ein Stück heranzuholen startet er eine Flucht in die Tiefe und taucht erst wieder in größerer Entfernung auf.

Das Unterfangen wird durch das unruhige Wasser noch weiter erschwert. Dann eine kurze Schrecksekunde: Der Fisch baut Spannung auf und es gelingt mir nicht ihn noch zu überreden doch nicht zu springen. Er schüttelt den Kopf und... Entwarnung! Er hängt noch. Nach diesem letzten Aufbäumen ist es geschafft und der Fisch wird von Opa fachmännisch gelandet.
Erst als wir den Fisch aus dem Wasser heben und den bulligen Schädel betrachten wird klar was für ein Prachtexemplar da gebissen hat! 117cm, neuer PB! Ich werde das dämliche Grinsen für eine Weile nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Nachdem der Fisch versorgt, und die Fotos im Kasten sind brauchen wir dringend einen Pause. Wenigstens bei mir haben sich die Weichen Knie zu einem ausgewachsen Zittern am ganzen Körper entwickelt. Für einen kurzen Moment bekomme ich beinahe feuchte Augen. Kurz sammeln und dann auf zur nächsten Runde.

Hochmotiviert durch den tollen Fang geht es weiter und keine 3 Würfe später geht Opa auch schon wieder die Pumpe. Der vermeintlich kleine Hechtnachläufer entpuppte sich als fetter Barsch. 45+, davon ist auszugehen. Besonders ärgerlich, da er den Schwanzdrilling fast schon im Maul hatte... Aber eben nur fast.
Die restliche Zeit die uns noch bleibt verbringen wir mit wirklich zickigen Barschen. Selten so viele Bisse und so eine schlechte Bissausbeute gehabt. Aber am Ende gelingt es uns doch noch den einen oder anderen zu überlisten und besser hätte der Tag ja ohnehin kaum noch werden können. Mit einer tiefen Zufriedenheit geht es nach Hause. Mann hab ich gut geschlafen...

